Schwebende Lücke-Ausstellungseröffnung
Advertisement
Wir haben zahlreiche Möglichkeiten, unser unmittelbares Umfeld zu deuten. In der Regel orientieren wir uns dabei an einer linearen Geschichtsschreibung mit klar definierten Epochen, die die entscheidenden Umbrüche der Geschichte einer Stadt, einer Nation oder der Menschheit festhält. Prägende historische Meilensteine bleiben dauerhaft im kollektiven Bewusstsein verankert. Zugleich klaffen zwischen den großen historischen Eckdaten zahlreiche Lücken: Perioden, die mit fortschreitender Zeit immer lückenhafter erscheinen und nach wenigen Generationen in Vergessenheit geraten sind.
Der deutsche Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann widmet sich diesem Phänomen in seinem 1992 erschienenen bahnbrechenden Buch Das kulturelle Gedächtnis. Obwohl sein belgischer Kollege, der Historiker und Ethnologe Jan Vansina, bereits 1985 den Begriff der floating gap prägte, analysiert Assmann die Mechanismen des kollektiven Erinnerns tiefgreifender. Für diese geschichtlichen Leerstellen etablierte er den deutschen Begriff der ‚fließenden Lücke‘. Nach seiner Theorie verfügt eine Gesellschaft über ein lebendiges, detailreiches Wissen um die jüngste Vergangenheit. Für weit zurückliegende Epochen bleiben jedoch im kulturellen Gedächtnis oft nur fragmentarische Sprünge oder – wie Assmann es formuliert – „zwei zögernd genannte Namen“.
Oft genügt ein einziger Schritt vor die Tür, um unbemerkt die Schwelle zur Geschichte zu überschreiten. Architektur, Stadtplanung und öffentliche Denkmäler formen einen Raum, der uns auf eine subtile Zeitreise einlädt. So unterschiedlich die Stadtbilder von Berlin und Budapest auch sein mögen, so tief teilen sie dieselbe Eigenschaft: Beide sind steinerne Palimpseste, gezeichnet von den Spuren der Vergangenheit. Doch wie ließen sich diese Metropolen historisch erfahren, wenn man die unübersehbaren Wegweiser linearer Geschichtsschreibung – die sozialistischen Plattenbauten, die prächtige klassizistische Palais oder die Moderne des Bauhauses – gedanklich ausblenden würde? Nach Assmanns Theorie würden dadurch unübersehbare Leerstellen entstehen.
Diese Lücken sind wie dauerhafte Freiräume, die über den bekannten Geschichten schweben. Auch wenn sie für den Menschen schwer greifbar sind, verstummen die verbleibenden Fragmente der Vergangenheit aber keineswegs. Im Gegenteil.
Fünf Doktorandinnen der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste – Zita Borbély, Om Bori, Luca Korodi, Anna Mészáros und Andrea Szilák – verweben in Videoinstallationen, skulpturalen und klangbasierten Arbeiten non-lineare Geschichten aus Budapest und Berlin. Aus Fragmenten, Spuren und Erinnerungssplittern formen sie einen gemeinsamen Resonanzraum für das Verborgene. Statt sich auf klassische historische Dokumente zu stützen, sind ihre Erzählungen vor allem in der Natur verankert. Auf diese Weise verknüpfen sie nicht nur zwei geografische Orte: Sie eröffnen neue Perspektiven, die weit über das menschliche Erleben und tradierte historische Narrative hinausreichen.
Die Ausstellung wird am 25. Juni 2026 durch Dr. phil. Miriam-Esther Owesle , Kunsthistorikerin in Anwesenheit der ausstellender Künstlerinnen eröffnet.
Künstlerinnen: Zita Borbély, Om Bori, Luca Korodi, Anna Mészáros, Andrea Szilák
Kurator: Benedek Hrutka, Collegium Hungaricum Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der Doktorandenschule der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste
Foto © Om Bori: submerge, 2026
Der deutsche Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann widmet sich diesem Phänomen in seinem 1992 erschienenen bahnbrechenden Buch Das kulturelle Gedächtnis. Obwohl sein belgischer Kollege, der Historiker und Ethnologe Jan Vansina, bereits 1985 den Begriff der floating gap prägte, analysiert Assmann die Mechanismen des kollektiven Erinnerns tiefgreifender. Für diese geschichtlichen Leerstellen etablierte er den deutschen Begriff der ‚fließenden Lücke‘. Nach seiner Theorie verfügt eine Gesellschaft über ein lebendiges, detailreiches Wissen um die jüngste Vergangenheit. Für weit zurückliegende Epochen bleiben jedoch im kulturellen Gedächtnis oft nur fragmentarische Sprünge oder – wie Assmann es formuliert – „zwei zögernd genannte Namen“.
Oft genügt ein einziger Schritt vor die Tür, um unbemerkt die Schwelle zur Geschichte zu überschreiten. Architektur, Stadtplanung und öffentliche Denkmäler formen einen Raum, der uns auf eine subtile Zeitreise einlädt. So unterschiedlich die Stadtbilder von Berlin und Budapest auch sein mögen, so tief teilen sie dieselbe Eigenschaft: Beide sind steinerne Palimpseste, gezeichnet von den Spuren der Vergangenheit. Doch wie ließen sich diese Metropolen historisch erfahren, wenn man die unübersehbaren Wegweiser linearer Geschichtsschreibung – die sozialistischen Plattenbauten, die prächtige klassizistische Palais oder die Moderne des Bauhauses – gedanklich ausblenden würde? Nach Assmanns Theorie würden dadurch unübersehbare Leerstellen entstehen.
Diese Lücken sind wie dauerhafte Freiräume, die über den bekannten Geschichten schweben. Auch wenn sie für den Menschen schwer greifbar sind, verstummen die verbleibenden Fragmente der Vergangenheit aber keineswegs. Im Gegenteil.
Fünf Doktorandinnen der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste – Zita Borbély, Om Bori, Luca Korodi, Anna Mészáros und Andrea Szilák – verweben in Videoinstallationen, skulpturalen und klangbasierten Arbeiten non-lineare Geschichten aus Budapest und Berlin. Aus Fragmenten, Spuren und Erinnerungssplittern formen sie einen gemeinsamen Resonanzraum für das Verborgene. Statt sich auf klassische historische Dokumente zu stützen, sind ihre Erzählungen vor allem in der Natur verankert. Auf diese Weise verknüpfen sie nicht nur zwei geografische Orte: Sie eröffnen neue Perspektiven, die weit über das menschliche Erleben und tradierte historische Narrative hinausreichen.
Die Ausstellung wird am 25. Juni 2026 durch Dr. phil. Miriam-Esther Owesle , Kunsthistorikerin in Anwesenheit der ausstellender Künstlerinnen eröffnet.
Künstlerinnen: Zita Borbély, Om Bori, Luca Korodi, Anna Mészáros, Andrea Szilák
Kurator: Benedek Hrutka, Collegium Hungaricum Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der Doktorandenschule der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste
Foto © Om Bori: submerge, 2026
Advertisement
Where is it happening?
Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin, Germany, Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin, Deutschland, Berlin, Germany
Event Location & Nearby Stays:
Know what’s Happening Next — before everyone else does.
Host or PublisherCHB - Collegium Hungaricum Berlin



















