Let's Talk About | How to Pietät
About this Event
Die Langzeitarbeit „How To Pietät“ der Fotografin und Künstlerin Leoni Marie Hübner befindet sich noch in der Recherchephase. Sie wird eine fotografische Studie und Bestandsaufnahme über Pietät: über ihre Formen, Regeln, Widersprüche und Veränderungen.
Seit einigen Jahren lässt sich ein Wandel in der Bestattungsszene beobachten. Alternative Bestattungsunternehmen treten mit hellen, bunten Schaufenstern und neuen Namen auf. Sie scheinen sich vorgenommen zu haben, herauszufinden, wie Pietät heute neu interpretiert und transformiert werden kann. Gleichzeitig wird auch der Tod zunehmend zum Produkt: Bestattungen werden online angeboten, verglichen und vermarktet.
Sind traditionelle Bestattungsunternehmen deshalb veraltet? Oder sind einfach die Menschen und ihre Vorstellungen vielfältiger geworden?
Eine erste Erkenntnis von Leoni Marie Hübners Recherche: So vielfältig die Menschen, so vielfältig ist auch das Verständnis von Pietät.
In einer Gesellschaft, in der Tod und Sterben häufig kein selbstverständlicher Teil des Lebens sind, wird es zunehmend schwierig, die Regeln weiterzugeben. Was darf man? Was sollte man besser lassen? Und wer bestimmt überhaupt, was pietätvoll ist?
Schwarze Kleidung, Blumen, leise Stimmen – die klassischen Vorstellungen scheinen längst nicht mehr für alle zu gelten. Dazu kommen regionale, kulturelle und familiäre Unterschiede:
Gibt es einen Leichenschmaus? Was wird gegessen und getrunken? Wer ist eingeladen? Darf man Handyfotos machen? Darf man den Sarg fotografieren? Und wie fotografiert man einen Abschied überhaupt?
Genau hier setzt „How To Pietät“ als fotografisches Projekt an. Marie beobachtet, sammelt und dokumentiert, wie sich Pietät im Alltag zeigt – in Orten, Ritualen, Gegenständen, Bildern und Begegnungen. Dabei geht es nicht darum, eine neue Etikette zu formulieren, sondern um eine Sammlung von Möglichkeiten.
Bei unserem Let’s Talk About | How To Pietät gibt Marie Einblicke in ihre Recherche und erzählt von der Entstehung ihres Langzeitprojekts. Gemeinsam sprechen wir über die Bilder, die entstehen, wenn sich Tradition und Gegenwart, persönliche Wünsche und gesellschaftliche Regeln begegnen.
Wie geht man „richtig“ mit dem Tod um?
Vielleicht gibt es darauf keine eindeutige Antwort. Vielleicht braucht es aber eine Orientierung – sei es auch nur, um sich geflissentlich nicht daran zu halten.
„How To Pietät“ möchte einen liebevollen Blick auf die Absurdität des Lebens und des Menschseins werfen – und darauf, wie wir versuchen, dem Tod einen angemessenen Platz in unserem Leben zu geben.
© Lubbertus Müller
Leoni Marie Hübner ist freischaffende Fotografin, Kuratorin und Ausstellungsdesignerin. In den eigenen Arbeiten setzt sich Hübner mit Fragen von Zugehörigkeit, Identität und sozialer Teilhabe auseinander. Häufig entstehen Langzeitprojekte in partizipativer Zusammenarbeit mit Menschen, die gesellschaftlich marginalisiert werden. Dabei verbindet Hübner Fotografie und Grafik zu vielschichtigen Erzählformen zwischen Kunst, Dokumentation und Performance.Neben der künstlerischen Praxis ist Hübner aktives Mitglied des Freundeskreis Photographie (Deichtorhallen Hamburg) und organisiert dort regelmäßig Symposien rund um das Thema visual literacy.
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