Lesung mit Peter Lange: »Vertraute Fremde - Exil in Prag 1933-1939«
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Über "Vertraute Fremde"
Wenn sie in Prag über die Hauptstraße gehe, kreuzten mehr Bekannte ihren Weg als in Berlin, schrieb die emigrierte Ärztin und Sozialdemokratin Käte Frankenthal. Tausende deutsche Exilsuchende hatte es nach 1933 in die tschechoslowakische Hauptstadt verschlagen: Ernst und Karola Bloch, Bertolt Brecht, Wilhelm Cassirer, Oskar Maria Graf, Stefan Heym, Leo Kestenberg, Gabriele Tergit und viele mehr. Prag war nicht nur, besonders von Berlin aus, leichter zu erreichen als Paris oder Amsterdam, es war den meisten auch kulturell näher: Man sprach und verstand dort Deutsch. Wie schafften es die Flüchtenden über die Grenze? Wie schlugen sie sich ohne Arbeit und Einkommen durch? Welche neuen Verbindungen entstanden im Exil? Und wohin führten sie ihre Wege, als die Tschechoslowakei zerschlagen wurde? Anhand von vierzig Schicksalen entfaltet Peter Lange ein Panorama des Exils in Prag, das nicht nur der Situation jedes Einzelnen Rechnung trägt, sondern auch Fragen nach Selbstbehauptung, Hilfsbereitschaft und Widerstand in der Fremde ganz neu stellt.
Über den Autor: Peter Lange
Peter Lange, geboren 1958 in Göppingen, war ab 2016 sechs Jahre Hörfunkkorrespondent von ARD und Deutschlandradio für Tschechien und die Slowakei mit Sitz in Prag. Wenn er gefragt wurde, wie es ihm dort ergehe, antwortete der ehemalige Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur gern mit einem Filmtitel: »Das Beste kommt zum Schluss«. Die Idee, die Geschichten der emigrierten Deutschen in Prag zu erzählen, begleitete Lange von Anfang an, denn mit dem Thema Exil befasst er sich seit über dreißig Jahren. Ein Ergebnis war 2021 sein Buch Prag empfing uns als Verwandte. Die Familie Mann und die Tschechen. Lange gehört zur Jury des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises und lehrt an der Karlsuniversität in Prag.
Erschienen bei Schöffling & Co.
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