Im tiefen Süden Italiens. Zwei neue Übersetzungen über den Mezzogiorno
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Nach ihrem großen Erfolg mit Die Fremde erzählt Claudia Durastanti in ihrem neuen Roman Missitalia das Leben dreier außergewöhnlicher Frauen in drei Jahrhunderten: Amalia versammelt als eine Art Mutter Courage in der süditalienischen Basilikata Waisen und Ausreißerinnen um sich. Einhundert Jahre später, als man in der Region nach Erdöl sucht, wird die junge Wissenschaftlerin Ada wie aus Zufall zur Spionin. Und schon in der Zukunft ist es A, die vom Agri-Tal aus das Leben auf dem Mond vorbereiten soll. Voll überbordender Erzählfreude eröffnet das „punkige Hexen-Genie“ Claudia Durastanti hier ein großes Panorama weiblicher Erfahrungsräume im Mezzogiorno.
In die gleiche karge Mondlandschaft, in der sich Durastantis Protagonistinnen bewegen, wurde 1935 der Turiner Maler, Arzt und Schriftsteller Carlo Levi verbannt: Aufgrund seiner antifaschistischen Aktivitäten hatte ihn das Mussolini-Regime zu drei Jahren confino verurteilt. Über seine Erlebnisse dort verfasste er den autofiktionalen Roman Christus kam nur bis Eboli, der nach seinem Erscheinen 1945 schnell zum Weltbestseller avancierte und zu den bedeutendsten Werken der italienischen Literatur des 20. Jahrhunderts zählt. Beinahe achtzig Jahre nach der ersten deutschen Übertragung erscheint im August 2026 die Neuübersetzung dieses Klassikers von Martin Hallmannsecker.
Das Buch brachte die questione meridionale nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Tagesordnung, gerade außerhalb des Mezzogiorno prägte Levis empathische ethnologische Darstellung lange Zeit den Blick auf Süditalien. In Missitalia bezieht sich Claudia Durastanti, deren Familie aus dem Agri-Tal stammt, auch auf Levis Werk, stellt diesem jedoch eine eigene weibliche Perspektive entgegen.
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